Ich heiße Wladimir Zimmermann. Und wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, dass ich einmal Erzieher werde und in der Jugendhilfe arbeite, hätte ich wahrscheinlich kurz gelacht.
Nicht aus Respektlosigkeit. Eher aus Überraschung.
Aus der Industrie in die Jugendhilfe
Ich komme ursprünglich aus der Industrie. Maschinen- und Anlagenführer. Schicht, Abläufe, Produktion, Wiederholung. Man macht seine Arbeit, man funktioniert, man geht nach Hause. Das kann für viele Menschen passen. Für mich hat es irgendwann nicht mehr gepasst.
Ich hatte immer stärker das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Sinn vielleicht. Entwicklung. Das Gefühl, mit meiner Energie irgendwo anzukommen. Nicht nur etwas zu produzieren, sondern etwas zu bewirken.
Parallel dazu war ich im Ringen aktiv und habe als Trainer mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Dort habe ich gemerkt, was passiert, wenn junge Menschen Vertrauen fassen. Wenn sie erst testen, dann mitmachen, dann wachsen. Manchmal sieht man Fortschritte nur in kleinen Bewegungen. Ein Blick. Ein Lächeln. Ein Kind, das sich etwas zutraut, was vorher unmöglich schien.

Da hat es bei mir geklickt.
Ich musste mich beruflich einfach neu orientieren. Und dann kam der Gedanke: Warum nicht Erzieher? Warum nicht genau dahin gehen, wo Beziehung, Entwicklung und echte Arbeit mit Menschen zusammenkommen? Also habe ich mich für die Umschulung entschieden.
Mein Weg zu Jetzt
Mein Weg zu Jetzt war dann ziemlich direkt. Ich brauchte kurzfristig einen Praktikumsplatz in der Kinder- und Jugendhilfe. Nach mehreren Absagen kam über Simon und Kimberly der Kontakt zur Jetzt Jugendhilfe zustande. Es gab kein großes Bewerbungstheater. Kein steifes Gespräch, bei dem man so tut, als wäre man völlig entspannt, obwohl man innerlich schon drei Kaffee zu viel hat.
Es ging schnell. Und es fühlte sich sofort richtig an.
Mein erstes Praktikum war in einer Wohngruppe. Zweieinhalb Monate. Danach war ich noch in der OGS und später für mein Prüfungspraktikum wieder in der Wohngruppe. Und ich kann ziemlich klar sagen: Nach drei oder vier Wochen wusste ich, dass ich genau dahin will.
Ernst genommen, nicht nur zuschauen
Was mich bei Jetzt sofort berührt hat, war nicht irgendein Konzept auf Papier. Es war der Alltag.
Ich wurde nicht behandelt wie "der Praktikant, der mal zuschauen darf". Ich wurde ernst genommen. Ich durfte an Meetings teilnehmen. Meine Meinung wurde gefragt. Ich konnte eigene Ideen einbringen. Ich habe mit den Kindern gekocht, war in Abläufe eingebunden, habe Hilfeplangespräche erlebt und auch Situationen mitbekommen, die man nicht in Hochglanzbroschüren erzählt.
Einmal gab es einen Drogennotfall. Krankenwagen. Krankenhaus. Diese Art von Momenten zeigt einem sehr schnell, dass Jugendhilfe kein romantischer Beruf ist. Es ist keine pädagogische Postkarte mit Sonnenuntergang. Es ist manchmal hart. Laut. Unübersichtlich. Und trotzdem wichtig.
Man erlebt junge Menschen nicht als Fälle. Man erlebt sie als Menschen mit Geschichten, Brüchen, Schutzmechanismen und manchmal einer ziemlich beeindruckenden Kraft.
In meiner Zeit bei Jetzt ist die Wohngruppe auch umgezogen. Von Geisweid nach Freudenberg nach Oberheuslingen. Ich habe beim Umzug geholfen, beim Ankommen, beim Einrichten, beim Neugestalten. Auch das war für mich ein besonderer Einblick. Eine Wohngruppe ist eben nicht einfach ein Gebäude. Sie wird erst durch Menschen zu einem Ort. Durch die Kinder. Durch das Team. Durch Routinen, Gespräche, Reibung, Lachen und diesen ganz normalen Wahnsinn, den man irgendwann erstaunlich lieb gewinnt.
Meine Prüfung: Training mit dem eigenen Körpergewicht
Meine praktische Prüfung habe ich ebenfalls bei Jetzt gemacht. Das Thema war "Training mit dem eigenen Körpergewicht". Klingt erstmal sportlich. War es auch. Aber dahinter steckte viel mehr als Liegestütze, Sit-ups und Kniebeugen.
Ich habe mit den Kindern eine didaktische Reihe aufgebaut. Am ersten Tag haben wir gemeinsam einen Plan fürs Aufwärmen erstellt. Die Kinder haben Übungen ausgesucht und mitentschieden, was wir machen. Am zweiten Tag ging es ums Dehnen. Auch da haben wir nicht einfach irgendwas gemacht, sondern darüber gesprochen, warum Aufwärmen und Dehnen wichtig sind. Am dritten Tag haben wir den Plan fürs Krafttraining entwickelt. Und am vierten Tag, dem Prüfungstag, haben die Kinder einzelne Trainerrollen übernommen.
Für mich war das ein starker Moment. Weil es nicht nur um Sport ging. Es ging um Selbstwirksamkeit. Um Verantwortung. Um das Gefühl: Ich kann etwas. Ich darf etwas zeigen. Ich werde ernst genommen.
Nach der Prüfung haben die Kinder den Plan weitergemacht, sogar ohne Anleitung. Genau solche Momente bleiben.
Warum dieser Beruf für mich stimmt
Wenn mich jemand fragen würde, warum ich diesen Beruf gewählt habe, würde ich nicht sagen: Jeder sollte das machen. Das wäre zu einfach. Dieser Beruf ist nicht für jeden. Er fordert viel. Manchmal auch mehr, als man vorher denkt.
Aber für mich stimmt er. Weil es erfüllt, mit jungen Menschen zu arbeiten. Weil man sieht, wohin die eigene Energie fließt. Weil Fortschritte sichtbar werden. Nicht immer sofort. Nicht immer groß. Aber echt.
Und weil man manchmal Dankbarkeit erlebt, die nicht laut ist. Manchmal sagt ein Kind nicht "Danke". Manchmal bleibt es einfach da. Macht mit. Vertraut ein kleines bisschen mehr. Und genau das kann mehr bedeuten als jedes große Wort.
Ich habe bei Jetzt erlebt, was es heißt, auf Augenhöhe zu arbeiten. Nicht perfekt. Aber menschlich. Nicht glatt. Aber ehrlich. Ich habe ein Team erlebt, das Verantwortung übernimmt, das zuhört, das miteinander ringt und trotzdem weitermacht.
Vielleicht passt das ganz gut zu mir. Als Ringer weiß ich: Man gewinnt nicht, weil man nie fällt. Man gewinnt, weil man wieder aufsteht, Haltung findet und weiterarbeitet.
Wie es weitergeht
Meine schriftliche Prüfung ist geschafft. Die mündliche Prüfung steht noch an. Wenn alles läuft wie geplant, starte ich am 01.08.2026 bei Jetzt in einer neuen Wohngruppe. Darauf freue ich mich.
Ich weiß, dass diese Arbeit nicht leicht wird. Das habe ich in meinen Praktika deutlich genug gesehen. Aber ich habe auch gesehen, wie viel sie auslösen kann. Bei Kindern und Jugendlichen. Im Team. Und bei mir selbst.
Diese Zeit bleibt mir im Kopf, weil sie mir mehr gezeigt hat als einen Beruf. Sie hat mir gezeigt, wo ich hinwill.
Was diese Arbeit ausmacht
- Praktikant:innen ernst nehmen, einbinden und ihre Meinung wirklich hören.
- Beziehung vor Konzept: Vertrauen entsteht im Alltag, nicht auf dem Papier.
- Selbstwirksamkeit fördern, indem junge Menschen Verantwortung übernehmen dürfen.
- Auch schwierige Momente aushalten, statt sie zu beschönigen.
- Auf Augenhöhe arbeiten, menschlich und ehrlich, nicht glatt und perfekt.

Wladimir Zimmermann
Angehender Erzieher · Jetzt Jugendhilfe
Wladimir Zimmermann hat seine Umschulung zum Erzieher gemacht und mehrere Praktika bei der Jetzt Jugendhilfe absolviert. Besonders geprägt hat ihn die Arbeit in der Wohngruppe, in der er schnell merkte: Jugendhilfe ist kein leichter Beruf. Aber einer, der Sinn macht. Ab dem 01.08.2026 startet er voraussichtlich in einer neuen Wohngruppe bei Jetzt.
Dieser Beitrag ist Teil der Einblicke von Jetzt Jugendhilfe. Hier zeigen wir den Alltag, die Häuser und die Menschen, die unsere Arbeit tragen.
